REVIEW » Nexilva – Eschatologies

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Deathcore war nie wirklich mein Genre. Zwar hör’ ich Größen wie Whitechapel, Thy Art Is Murder und Veil Of Maya ziemlich gerne, arg viel weiter reicht mein Interesse aber nicht. Nun bin ich vor einiger Zeit via YouTube auf Nexilva aufmerksam geworden. Fünf britische Jungs, die meinen, den großen Genre-Veteranen mit ausgepackten Eiern entgegentreten zu müssen. Leute: Diese Eier sind riesig!

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor einem halben Jahr in meinem Facebook-Feed auf Nexilva stieß. Ihre Single, Eschatologies, zog an mir ohne große Beachtung vorbei – normaler Deathcore, nichts besonderes. Ein halbes Jahr später steht der Release ihres gleichnamigen, neuen Albums bevor. Mittlerweile so gehyped, dass meine Neugierde und die Szene mich quasi dazu zwangen, mal ins Album zu lauschen. Die goldene Erkenntnis: So oberflächlich ist das doch nicht. Ganz und gar nicht. Klingt nämlich erstmal ungewohnt anders, ist aber irgendwie frisch und ausgesprochen professionell.

Eschatologies ist kein einfaches Album. Es braucht Aufmerksamkeit, es braucht Zuwendung, und es will geliebt werden. Es schenkt dem Hörer dafür richtig fetten Deathcore. Es ist schwierig zu beschreiben – am ehesten sollte man meinen, dass Nexilva hier viele übliche Dinge erfolgreich kombinieren: Harte Djent-Riffs, atmosphärische Keyboard-Parts, Grooves und Beats vom Feinsten, geführt von einem Vocalist mit einer fantastischen Range, der von diesem Geschehen perfekt untermalt wird. Es macht einfach Spaß, die einzelnen Songs zu entdecken. In jeder Sekunde steckt das gewisse etwas, Kreativität, die nicht langweilig wird. Ein wunderbarer Ponyhof, oder?
So perfekt sich das auch liest, das Album hat ein Problem: Die Songs sind zu unterschiedlich. Da peitschen die ersten beiden Songs nach dem Intro, The Misdirection Of God und Our Progenitor, mit knallharten Blastbeats und unfassbar angepissten Screams die Stimmung voran, ehe diese von This Is Humanity wieder gezügelt wird. Ein “vergleichweise” ruhiger Song, der sich beispielhaft eher atmosphärisch orientiert. Klingt keineswegs fremd oder schlechter, doch der Übergang ist einfach zu hart, was auf Dauer anstrengend ist, denn dieses Schema verteilt sich auf alle Songs. Die vier Instrumentals des Albums sind wünschenswert, können dieses Problem trotzdem nicht wirklich lösen. Wichtig ist aber, dass sich der Stil der Band durchaus sehen lassen kann. Aushängeschild ist dabei der Titelsong, Eschatologies, der alle Elemente perfekt vereint. Verdammt, was liebe ich diese Grooves!

Nexilva kreieren mit Eschatologies ein komplexes und anspruchsvolles Stück Deathcore ab. Es ist ein Album, dass viele Geschmäcker abdecken will – und daran keineswegs scheitert. Die Produktion ist ansprechend, die Songs strotzen nur so vor Ideen. Am ehesten lässt sich das Album aber als Rohdiamant beschreiben: Die meisten Songs wirken irgendwie ungeschliffen, Komposition und Übergänge sind mir persönlich nicht harmonisch genug. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Ich ziehe meinen Hut vor Nexilva für diese Explosion an Kreativität. Eine echte Perle, die sich jeder, der auch nur das geringste mit dem Genre anfangen kann, mal gönnen sollte.

Eschatologies erscheint am 7. April 2014 via Ghost Music/Subliminal Groove Records.


8/10

 

 

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